„Im Herzen eins“: Kirchen feiern ökumenischen Hessentags-Gottesdienst

Mitteilung des Bistums Fulda

Was verbindet Menschen, ohne Unterschiede einzuebnen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Bischöfin Dr. Beate Hofmann von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und Bischof Dr. Michael Gerber vom Bistum Fulda beim ökumenischen Hessentagsgottesdienst am Sonntag auf dem Fuldaer Domplatz.

In ihrer dialogischen Predigt deuteten sie das Leitwort „Im Herzen eins“ als Auftrag für Kirche und Gesellschaft. Dabei machten sie deutlich: Einheit entsteht nicht durch Gleichförmigkeit.

Sie wächst dort, wo das Verbindende tiefer reicht als das Trennende, wo Menschen einander zuhören, Unterschiede ernst nehmen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Sichtbar wird diese Haltung auch im gemeinsamen ökumenischen Kirchenprogramm, mit dem Bistum Fulda, EKKW und EKHN den Hessentag in Fulda erstmals gemeinsam gestalten.

Mit einem großen Gottesdienst auf dem Fuldaer Domplatz haben die Kirchen am Sonntag (14. Juni) einen zentralen geistlichen Akzent beim Hessentag in Fulda gesetzt.

Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Bischof Dr. Michael Gerber predigten gemeinsam zum Leitwort des ökumenischen Programms „Im Herzen eins“.

Die dialogische Form nahm die Botschaft des Gottesdienstes auf: Ökumenische Gemeinschaft lebt vom Gespräch, vom Aushalten von Unterschieden und von der Bereitschaft, gemeinsam nach dem zu suchen, was trägt.

Ausgangspunkt war die Erfahrung der ersten Christinnen und Christen, die in der Apostelgeschichte als „ein Herz und eine Seele“ beschrieben wird.

Hofmann und Gerber machten zugleich deutlich: Diese Gemeinschaft war kein konfliktfreier Idealzustand. Um das „Im Herzen eins sein“ müsse immer wieder gerungen werden.

Tragende Beziehungen

Bischöfin Hofmann verband das biblische Motiv mit Erfahrungen aus Freundschaft, Ehe und anderen nahen Beziehungen. Nähe lebe von Vertrauen und gegenseitiger Stärkung, komme aber nicht ohne Unterschiedlichkeit aus.

„Im Herzen eins sein, das braucht auch Raum für Unterschiedliches in aller Gemeinsamkeit“, sagte Hofmann.

Gerber griff diese Linie auf und sprach von Beziehungen „von Herz zu Herz“, die Menschen gerade in herausfordernden Zeiten tragen können.

„Ohne diese Erfahrungen und Herzensmomente hätte ich meinen Weg so nicht gehen können“, sagte er in Bezug auf seine Krebserkrankung im vergangenen Jahr.

Anhand der Emmaus-Jünger und von Glaubenszeugen wie Bonifatius machte Gerber deutlich: Christliche Gemeinschaft lebt nicht vom Einzelkämpfertum, sondern von tragenden Beziehungen.

Gespräch und Weggemeinschaft

Diese Perspektive übertrugen Hofmann und Gerber auf das Verhältnis der Kirchen. Hofmann erinnerte daran, dass evangelische und katholische Christinnen und Christen über Jahrhunderte durch unterschiedliche Lehrmeinungen, verschiedene Gottesdienstformen, Machtinteressen und Kulturunterschiede getrennt waren.

Auch gewaltsame Auseinandersetzungen gehörten zu dieser Geschichte. Gerade vor diesem Hintergrund gewann für sie die gemeinsame ökumenische Erfahrung besonderes Gewicht: „Das, was uns verbindet, ist viel wichtiger als das, worin wir uns unterscheiden“, sagte Hofmann.

Gerber nahm diesen Gedanken mit Blick auf die gewachsene ökumenische Beziehung der Kirchen auf. Dass die Kirchen trotz einer langen Geschichte der Trennung und wechselseitiger Verletzungen heute Beziehung lebten „von Herz zu Herz“, sei für ihn ein Hinweis auf das Wirken des Heiligen Geistes.

„Trennung und Spaltung haben nicht das letzte Wort, Gottes Geist überwindet Grenzen“, sagte der Bischof. Unterschiede könnten das Miteinander oft bereichern, wenn sie nicht gegeneinander ausgespielt würden.

Streitkultur ohne Spaltung

Aus dieser ökumenischen Erfahrung heraus weiteten Hofmann und Gerber den Blick auf die Gesellschaft.

Viele Menschen sehnten sich nach Gemeinschaft statt Streit und nach Zusammenhalt statt Egoismus, sagte Hofmann. Zugleich dürfe Einheit nicht mit Gleichförmigkeit verwechselt werden.

Gerber beschrieb die ökumenische Erfahrung der Kirchen als Botschaft in einer polarisierten Zeit. Gesellschaft brauche Debatte, Kritik, Streitkultur und den Wettstreit um die richtigen Ideen. Entscheidend sei aber, dass Verschiedenheit nicht in Spaltung umschlage.

Als gemeinsame Grundlage benannten Hofmann und Gerber, was Menschen und Kirchen tiefer verbindet als das, was sie unterscheidet: die Würde jedes Menschen, die Bewahrung der Schöpfung für künftige Generationen und der Glaube, dass jeder Mensch von Gott geschaffen, geliebt und beauftragt ist.

Sichtbare Praxis

Was Hofmann und Gerber in ihrer Predigt entfalteten, wird beim Hessentag auch über den Gottesdienst hinaus sichtbar.

Das gemeinsame Programm von Bistum Fulda, EKKW und EKHN zeigt eine Ökumene, die in gemeinsamer Vorbereitung, gemeinsamen Orten, gemeinsamer Verantwortung und gemeinsamem Handeln Gestalt gewinnt: in Gottesdiensten und Andachten, Musik und Kultur, Begegnung und Gespräch, Segen und Seelsorge, sozialem Engagement und gastfreundlicher Präsenz mitten im Hessentagsgeschehen.

Musik und Zeichen

Auch in der Gestaltung des Gottesdienstes wurde das Leitwort „Im Herzen eins“ hör- und sichtbar: durch Herzenstexte aus der Bibel, eine Symbolhandlung mit den Liedblättern der Mitfeiernden, Herzensmomente mit Friedensgruß sowie das Vaterunser in Gebärdensprache.

Musikalisch gestalteten den Gottesdienst die Fuldaer Band „Mambo KingX“, ein ökumenischer Projektchor mit rund 120 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber und Bezirkskantor Tobias Wirth sowie ein ökumenischer Posaunenchor mit 160 Bläserinnen und Bläsern unter der Leitung von Landesposaunenwart Philip Schütz.

Besondere Akzente setzten Dennis Martin, Ethan Freeman und Peter Scholz mit Beiträgen aus dem Musical „Bonifatius“.

Mit dabei waren auch Kinder aus Grundschulen, Kindertagesstätten und Kinderchören mit dem eigens für den Hessentag komponierten Lied „Im Herzen eins“. Die Moderation übernahmen Pröpstin Sabine Kropf Brandau und Elena Otto.

Ökumenischer Abschlussgottesdienst

Den feierlichen Abschluss des kirchlichen Hessentagsprogramms bildet der Gottesdienst „Vom Kopf zum Herz“ am kommenden Sonntag um 10 Uhr auf dem Universitätsplatz.

Gestaltet wird er von Dekan Dr. Thorsten Waap und Dechant Stefan Buß. Die musikalische Leitung liegt bei Domkapellmeister Franz-Peter Huber und Bezirkskantor Tobias Wirth.

Im Anschluss beteiligen sich die Kirchen mit einem kreativen Wagen am großen Hessentags-Festzug.

„Im Herzen eins“: Kirchen beim Hessentag

Zum Hessentag in Fulda gestalten das Bistum Fulda, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau erstmals ein gemeinsames ökumenisches Kirchenprogramm.

Vom 12. bis 21. Juni laden sie unter dem Motto „Im Herzen eins“ zu rund 110 Veranstaltungen an vier Standorten ein. Unterstützt wird das Programm von der Diakonie Hessen, dem Caritasverband für die Diözese Fulda und mehr als 170 Ehrenamtlichen.

Die Stadtpfarrkirche wird als „Herzmitte“ zur Hessentagskirche mit Licht-, Klang- und Videoinstallationen.

Auf der Himmelsbühne in den Fulda-Auen steht unter dem Stichwort „Herzklang“ ein Musik- und Kulturprogramm im Mittelpunkt.
Die Severikirche bietet als „Herzzeit“ Raum für Stille und Besinnung.

In der Segensgondel des Riesenrads können Besucherinnen und Besucher unter dem Stichwort „Herzblick“ den Hessentag aus einer besonderen Perspektive erleben und einen persönlichen Segensmoment mitnehmen.

Ausführliche Informationen zum gemeinsamen Hessentags-Programm der Kirchen gibt es im Internet unter: www.im-herzen-eins.info